Tiertransport-Kontrolle: Überhitzte Tiere, Zu Wenig Wasser 2022
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Tiertransport-Kontrolle: Überhitzte Tiere, zu wenig Wasser

Bei über 27 Grad im Schatten habe ich mit österreichischen Polizeieinheiten und slowenischen Veterinärmedizinern auf der Pyhrn-Autobahn am Grenzübergang Spielfeld Stellung bezogen. Innerhalb eines Halbtags hat die Polizei zwei Tiertransporter mit Lebendtieren aufgehalten. Die Bilanz war wieder einmal erschütternd.

Leiden beim Schweinetransport

Im ersten Transporter befanden sich ca. zwei Monate alte Schweine aus Dänemark auf ihrem Weg nach Ungarn. Bei dem LKW waren während der Fahrt Kühlung und Wassertränken ausgeschalten, sodass die Tiere durstig und komplett überhitzt waren. Bis zu 35 Grad haben wir im inneren des Transporters gemessen. Laut Tiertransportverordnung darf die Innentemperatur im Fahrzeug 30 Grad nicht übersteigen und Schweine müssen während des Transportes durchgehend Zugang zu Wasser haben. Das Wassersystem, das während der Kontrolle eingeschalten wurde, war bereits nach 10 Minuten wieder leer. Die Tiere wiesen Biss- und Kratzspuren auf. Die Polizei stellte mehrere Anzeigen aus.

Schweinetransport (c) Clara Schweighofer

Die Kontrolle hat wieder einmal gezeigt, dass Gesetzesverstöße beim Transport von Lebendtieren an der Tagesordnung sind. Obwohl die Tiere vor Hitze und Durst teilweise so apathisch waren, dass sie sich nicht mehr gerührt haben, gehört dieser Schweinetransport leider bei Weitem nicht zu den schlimmsten Dingen, die ich bisher auf Kontrollaktionen gesehen habe.

Lebendtiere für den Weltmarkt

Der zweite Transporter hatte Jungrinder aus Deutschland geladen. Nach einem Zwischenstopp in Tschechien waren diese Tiere am Weg nach Koper, Slowenien, von wo aus sie via Schiff nach Ägypten gebracht werden sollten. Die Rinder hatten den schlimmsten Teil ihrer Reise also noch vor sich. Lebendtiertransporte auf Schiffen sind reine Tierquälerei. Es gibt keine Maximaltransportzeiten auf dem Schiff, weswegen Tiere mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate bei extremer Hitze und ohne veterinärmedizinische Versorgung für den Notfall unterwegs sein können. Die Tiere auf diesem Transporter waren gesund und gut versorgt. Trotzdem gab es eine Beanstandung: der Fahrer hat seine gesetzlich vorgeschriebene Ruhepause von 9 Stunden erst nach der Beladung der Tiere gehalten und damit die vorgesehene Transportzeit verlängert. Das Problem der Kompatibilität von Transportzeiten der Tiere und Ruhezeiten der Fahrer wäre durch eine Maximaltransportzeit von 8 Stunden für lebende Tiere leicht zu lösen.

Tiertransportkontrolle (c) Ricarda Pfingstl

Grüne Lösungen für Tier und Mensch

Diese Art von Lebendtiertransporten sind ein Resultat unseres perversen globalisierten Agrarsystems und schaden nicht nur den Tieren, sondern auch uns Menschen und der Umwelt. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen in der Grünen Fraktion kämpfe ich für:

  • Maximal 8 Stunden Transportzeit für Lebendtiertransporte unabhängig vom Transportmittel
  • Strengere Strafen bei Verstößen
  • Mehr Kontrollen zur Durchsetzung der Tierschutzbestimmungen

Anstatt Tiere lebend um die halbe Welt zu schiffen, müssen wir auf lokale Produktion setzen. Eine einfache und sinnvolle Lösung wäre eine Herkunftskennzeichnung auch in der Gastronomie, damit Konsument*innen bewusste Entscheidungen treffen und diese Qualtransporte beendet werden können.

» Die derzeitige Verordnung ist in vielen Punkten vage und wird auch in vielen Ländern nicht eingehalten «

- Thomas Waitz in orf.steiermark.at am 2022-06-15

Hier könnt ihr den ORF-Steiermark-Beitrag nachsehen

Und hier geht es zu einem Beitrag zu Tiertransporten in Kroatien im Jahr 2018.